Pressemitteilung

 Initiative ökologischer Wiederaufbau von Kobanê/Rojava

Rekordtemperaturen von 54°C im Sommer 2016 im Nahen Osten - Rascher Klima- und Umweltschutz ist notwendig.

 Sehr geehrte Damen und Herren,

 wir bitten Sie darum, folgendes zu veröffentlichen:

Die Völker im Nahen und Mittleren Osten leiden zusehends unter den Folgen einer sich rasch beschleunigten Erderwärmung. Mit +54°C wurde im Irak und in Kuweit im Sommer 2016 die höchste jemals aufgezeichnete Temperatur gemessen. Im ganzen mittleren Osten stiegen die Temperaturen im Juli 2016 auf über 50°C. Bei dieser zunehmenden Hitze ist menschliches Leben absehbar in dieser Region nicht mehr möglich. Hinzu kommen sich verstärkende Trockenperioden. Bereits die Rekorddürre im Jahr 2011 hatte vielen Bauern in Syrien ins Elend gestürzt und zum Beginn der demokratischen Bewegung gegen das Assad Regime beigetragen. Die Trockenheit nimmt in der Region seit weiter zu.

Mittlerweile bestimmt auch der Kampf um die Beherrschung des Wassers in der Region die Machtpolitik der angrenzenden Regionalmächte. Mit dem Bau von 22 Staudämmen strebt die türkische Bourgeoise nach der Kontrolle des Wassers am Euphrat und Tigris, was auf den Widerstand der länderübergreifenden Umweltbewegung in Kurdistan stößt. Der Tigris im Irak wird darüber hinaus zu ca. 20-30% gespeist vom Zufluss des Wassers der Flüsse Sirwan und Alwand aus dem Iran. Der Bau des Daryan Staudammes durch die iranische Regierung wird den Wasserfluß des Sirwan um ca. 60% verringern. Dies wird die entstandene Trinkwasserkrise in der kurdischen Region und im ganzen Irak weiter verschärfen.

Gleichzeitig wird die Verwirklichung von zukunftsorientierten Umweltprojekten in der Region durch den Kampf um Kontrolle der Region durch die Türkei, Syrien, Russland, Saudi-Arabien und der NATO verhindert und mit einem bestialischen Stellvertreterkrieg tausende von Syrer ermordet und Millionen in die Flucht geschlagen. Die Kommunalverfassung der von den Demokratischen Kräften Syriens (SDF) gemeinsam mit der kurdischen YPG befreiten Gebieten sieht eine regionale ökologische Wirtschaftsentwicklung vor, die Klimaschutz und die Einheit von Mensch und Natur entwickelt. Diese fortschrittliche Bewegung wird durch den Einmarsch der Türkei in Syrien und der Blockade ökologischer und sozialer Projekte des Wiederaufbaus durch alle angrenzenden neuimperialistischen Regionalmächte und ihrer Bündnispartner bekämpft.

Am 17.11.2016 haben sich die kurdischen Kämpfer der YPG/YPJ auf Druck der USA und der Türkei offiziell aus der Stadt Minbic zurückgezogen und haben sich östlich des Euphrat stationiert. Die YPG/YPJ-Kämpfer gehören der SDF an. Gemeinsam hat man vor einigen Monaten die Stadt Minbic nach langen Häuserkämpfen vom IS befreien können. Die SDF ist die einzige Fraktion in Syrien, wo Kurden, Araber, Turkmenen und Assyrer zusammen gegen den IS kämpfen, egal welcher Religion man angehört. Trotz des Rückzugs der YPG/YPJ hat die türkische Luftwaffe am 20.11.2016 Stellungen der SDF in Minbic bombardiert.

Auf der anderen Seite hat die SDF bekannt gegeben, dass man nur noch 25 Km von der sogenannten Hauptstadt des IS, Rakka, entfernt ist, nachdem man am 07.11.2016 Operation "Zorn des Euphrat" begonnen hat. Der Erfolg dieser Operation kann die Aggressionen aus der Türkei erklären, da die Türkei auf keinen Fall einen Frieden in Syrien möchte.

Auch die ökologische Ausstattung des Sommer 2016 in Betrieb befindliche Gesundheitszentrum in Kobanê/Rojava (Nordsyrien), welches seit Juni 2015 von mehr als 170 ehrenamtliche Brigadisten der ICOR gemeinsam mit kurdischen Kräften gebaut wurde, wird durch die Blockadepolitik aller umliegenden Mächte derzeit verhindert. Unsere Initiative für den ökologischen Wiederaufbau in Kobanê / Rojava hat für die Finanzierung einer Photovoltaikanlage, Wärmedämmung und Wärmepumpen bundesweit für das Gesundheitszentrum in Kobane mehr als 50.000€ Spenden gesammelt. Das Gesundheitszentrum soll als Modell für den ökologischen Wiederaufbau der Region realisiert werden.

Wir fordern die uneingeschränkte Lieferung von Hilfsgütern in Notstandsgebiete wie nach Kobane, Rojava und Aleppo. Die Blockade und Massenverhaftungen von Demokraten und Umweltschützern durch die türkische Regierung werden durch die deutsche Außenpolitik unter Kanzlerin Merkel nach wie vor unterstützt und müssen gestoppt werden.

Angesichts der Errichtung einer faschistischen Diktatur in der Türkei fordern wir von der Bundesregierung den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Türkei und die Unterstützung von Hilfslieferungen über den Irak nach Rojava, u.a. für die ökologische Gestaltung des Gesundheitszentrums.

Protestiert mit uns gemeinsam gegen die Errichtung der Staudämme in der Türkei und im Iran.

Nach dem Pariser Klimavertrag dürfen die Temperaturen nochmals weiter ansteigen, was ganze Regionen im mittleren Osten unbewohnbar machen würde. Für rasche Klimaschutzmaßnahmen weltweit und auch in Deutschland statt Greenwashing mit dem Pariser „Klimaschutz“vertrag.

Alle die an der aktuellen Entwicklung in der Region interessiert sind und die die fortschrittliche Entwicklung in Rojava unterstützen wollen laden wir herzlichen zum nächsten Treffen unserer Initiative ein. Wir besprechen dort auch die weiteren Schritte in unseren Plänen.